Feierliche Zertifikatsübergabe in Simmern: 32 Absolventinnen und Absolventen des Berufsbildungsbereichs der Rhein-Mosel-Werkstatt haben einen wichtigen Meilenstein erreicht. Ihre beruflichen Perspektiven sind so vielfältig wie sie selbst.
Ein bisschen Lampenfieber, ein großer Moment und jede Menge verdienter Applaus: In der Hunsrückhalle in Simmern standen 32 Menschen im Mittelpunkt, die in den vergangenen zwei Jahren viel gelernt, ausprobiert und erreicht haben. Jetzt erhielten sie ihre Zertifikate – begleitet von Blumen, Geschenken und einer Feier, die ihnen und ihren persönlichen Leistungen gewidmet war.
Durch das Programm führte Michael Wall, Leiter EVITA, dem Bereich für berufliche Integration der RMW. Das macht Sinn, denn die berufliche Bildung und die Entwicklung individueller Perspektiven gehören unmittelbar zusammen.
Manchmal findet man seinen Weg erst beim Gehen
Wie unterschiedlich diese Wege aussehen können, zeigen die Geschichten der Absolventinnen und Absolventen.
Sophie hat bereits im Büro- und Dienstleistungsbereich praktische Erfahrungen gesammelt. Justin absolvierte ein Praktikum in einer Kfz-Werkstatt und arbeitet inzwischen in der Schlosserei der RMW.
Fabio ist ein neugieriger Mensch, der vieles ausprobiert hat und gerne über den Tellerrand schaut. Inzwischen hat er in der Wäscherei seinen Platz gefunden. Dort fühlt er sich wohl und ist mit Freude bei der Sache.
Und Eva sammelt derzeit beim Jugendamt der Stadt Koblenz wertvolle Erfahrungen – eine besonders spannende berufliche Perspektive.
Vier Menschen, vier unterschiedliche Geschichten. Und vier Beispiele dafür, dass berufliche Entwicklung selten nach einem festen Plan verläuft.
Gemeinsam den passenden Weg finden
Für Michael Wall und sein Team steht deshalb immer der einzelne Mensch im Mittelpunkt. Welche Fähigkeiten bringt jemand mit? Wo liegen seine Interessen? Welche Tätigkeiten machen Freude? Und welche Möglichkeiten lassen sich daraus entwickeln?
Dass diese individuelle Begleitung gelingt, ist die Leistung vieler engagierter Menschen. Im Berufsbildungsbereich unterstützen Bildungsbegleiterinnen wie Laura und ihre Kolleginnen und Kollegen die Teilnehmenden dabei, ihre Stärken zu entdecken, Neues auszuprobieren und berufliche Ziele zu entwickeln. Die Jobcoaches von EVITA wiederum bauen Brücken zu Unternehmen, organisieren Praktika und begleiten Menschen auf ausgelagerten Arbeitsplätzen.
Beide Bereiche arbeiten eng zusammen. Denn manchmal zeigt sich erst im praktischen Alltag, wo die eigenen Stärken liegen. Und manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis der richtige Platz gefunden ist.
Entscheidend ist, dass niemand diesen Weg allein gehen muss.
Dabei ist Michael Wall eines besonders wichtig: Die Tür der Rhein-Mosel-Werkstatt bleibt immer offen. Wer außerhalb der Werkstatt Erfahrungen sammeln möchte, wird dabei unterstützt. Und wenn sich herausstellt, dass ein anderer Arbeitsplatz oder eine andere Tätigkeit besser passt, wird gemeinsam nach neuen Möglichkeiten gesucht.
Arbeitgeber ergreifen zunehmend selbst die Initiative
Dass die Chancen dafür wachsen, zeigt eine erfreuliche Entwicklung: Mittlerweile gibt es bei der Rhein-Mosel-Werkstatt 82 ausgelagerte Arbeitsplätze in Unternehmen und Einrichtungen der Region.
Und inzwischen hat sich sogar etwas verändert: Nicht mehr nur die RMW geht aktiv auf Unternehmen zu. Immer häufiger melden sich Arbeitgeber von sich aus, bieten Arbeitsplätze an oder suchen gezielt nach Menschen, die ihre Teams verstärken können.
Für Michael Wall, die Bildungsbegleiterinnen und Bildungsbegleiter sowie die Jobcoaches von EVITA eröffnen sich dadurch zusätzliche Möglichkeiten, Menschen individuell zu begleiten und passende berufliche Perspektiven zu entwickeln.
Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung, dass immer mehr Unternehmen erkennen, welche Fähigkeiten und welches Potenzial Menschen mit Beeinträchtigung in die Arbeitswelt einbringen können.
Ein Abschluss, der vor allem ein Anfang ist
Bei der Zertifikatsübergabe in Simmern war zu spüren, wie viel dieser Tag den Absolventinnen und Absolventen bedeutete. Die Aufregung vor dem Gang auf die Bühne, die Freude über das Zertifikat und der Stolz auf das Erreichte machten die Feier zu einem besonderen Erlebnis.
Einige wissen bereits ganz genau, wohin sie beruflich möchten. Andere sind noch auf der Suche. Beides gehört dazu.
Denn die vergangenen zwei Jahre haben nicht nur berufliche Fähigkeiten vermittelt. Sie haben Menschen ermutigt, Neues zu wagen, eigene Stärken zu erkennen und Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zu entwickeln.
Die 32 Zertifikate stehen deshalb für weit mehr als einen erfolgreichen Abschluss. Sie stehen für 32 persönliche Entwicklungen und für die Chance, den eigenen beruflichen Weg selbst mitzugestalten.


