IMG 6402

Zwei Wege, eine Entscheidung

Warum Wahlfreiheit und Inklusion in der Werkstatt den Unterschied machen

Arbeit ist ein wichtiger Teil im Leben aller Menschen. Sie gibt dem Tag Struktur, schafft Begegnungen und gibt uns das Gefühl, etwas beizutragen. Genauso erleben es auch Ernesto Menten und Christian Pischke. Beide arbeiten in der Rhein-Mosel-Werkstatt – und beide haben ihren eigenen Weg gefunden.

Christian ist schon viele Jahre dabei. Er hat in verschiedenen Bereichen gearbeitet und ist heute in der Schreinerei. Die Arbeit mit Holz liegt ihm, die Abläufe kennt er gut, das Team ist vertraut.

Trotzdem hat er sich für einen neuen Schritt entschieden: Er arbeitet jetzt teilweise auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz in einem Möbelhaus.

Sein Weg ist klar strukturiert. Eine Woche arbeitet er im Möbelhaus, die nächste Woche ist er in der Werkstatt.

„Hier in der Werkstatt habe ich meine Freunde und die Arbeit macht mir viel Spaß. Außerdem habe ich hier Sicherheit – und das ist mir besonders wichtig.“

Auch im Möbelhaus ist er gern gesehen. Die Kollegen sind freundlich, die Aufgaben passen. Und doch ist es ihm wichtig, beides zu haben: die Erfahrungen draußen – und den sicheren Platz in der Werkstatt.

Ernesto hat ebenfalls Erfahrungen außerhalb der Werkstatt gemacht. Er absolvierte ein Praktikum bei einer großen Möbelkette. Sein Fazit ist klar:

„Mir war das zu stressig. Alle waren nett – aber das ist nicht mein Ding.“

Heute arbeitet er in der Konfektionierung. Seine Arbeit erfordert Geduld und Genauigkeit. Viele Handgriffe wiederholen sich, jeder muss sitzen. Kleine Fehler bedeuten Ausschuss.

„Wir wechseln die Plätze, so gibt es immer andere Aufgaben. Aber es ist eine gute Arbeit.“

Ernesto fühlt sich wohl in seiner Gruppe. Er hat Freunde, macht gerne Witze und ist hilfsbereit. Ein Kollege sitzt im Rollstuhl – für Ernesto ist es selbstverständlich, ihm am Ende des Tages zu helfen, aufzuräumen und alles vorzubereiten.

Für ihn steht fest: Ein ausgelagerter Arbeitsplatz ist aktuell keine Option. Und das ist genauso richtig.

Denn genau darum geht es: Wahlfreiheit.

Menschen mit Behinderung haben das Recht, selbst zu entscheiden, wie und wo sie arbeiten möchten. Gesetzlich ist dieses Wunsch- und Wahlrecht fest verankert – etwa im Sozialgesetzbuch. Es soll sicherstellen, dass jeder Mensch den Weg wählen kann, der zu den eigenen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Lebensvorstellungen passt.

Damit diese Wege auch möglich werden, gibt es in der RMW gezielte Unterstützung: Das Inklusionsteam von EVITA begleitet Mitarbeitende und Teilnehmende auf ihrem Weg in und außerhalb der Werkstatt. Die Jobcoaches helfen dabei, Perspektiven zu entwickeln, begleiten Praktika oder ausgelagerte Berufsbildungs- und Arbeitsplätze und stehen auch im Alltag zur Seite.

Michael Wall, Leitung von EVITA, sagt dazu:
„Wir schauen gemeinsam, was zu den Menschen passt – und gehen die Schritte dann zusammen.“

Die Diskussion über Werkstätten für Menschen mit Behinderung wird immer wieder kritisch geführt. Umso wichtiger ist es, auch die Stimmen derjenigen zu hören, die dort arbeiten.

In der Rhein-Mosel-Werkstatt zeigt sich ein klarer Unterschied zu vielen Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt. Die Arbeit wird so gestaltet, dass sie zu ihm passt – nicht umgekehrt. Es geht nicht um Druck, sondern um eine Aufgabe, die bewältigt werden kann.

Und die Werkstatt ist mehr als ein Arbeitsplatz. Sie ist auch ein Ort der Entwicklung. Es gibt Bildungsangebote, Kurse, sportliche und kreative Aktivitäten. Möglichkeiten, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln – für Menschen mit ganz unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen.

Christian und Ernesto zeigen: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt viele.

Und die Freiheit, den eigenen zu wählen, ist vielleicht das Wichtigste von allem.

Allgemein

RMW gesamt

Das könnte Sie auch interessieren