Weißenthurm. Selten lassen sich drei Jubiläen so schlüssig zu einer gemeinsamen Geschichte verbinden. In der Betriebsstätte Weißenthurm der Rhein-Mosel-Werkstatt (RMW) wurde jetzt das 25-jährige Bestehen des Standortes, 30 Jahre Polytec Integrative sowie 30 Jahre Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001 gefeiert. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und dem sozialen Bereich nutzten die Gelegenheit, um auf drei Entwicklungen zu blicken, die eines gemeinsam haben: Sie stehen für den Anspruch, Menschen mit Beeinträchtigung Teilhabe, Perspektiven und berufliche Entwicklung zu ermöglichen.
RMW-Geschäftsführer Frank Mehnert machte in seiner Ansprache deutlich, dass die drei Jubiläen untrennbar miteinander verbunden seien. Sie stünden für die Überzeugung, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, hohe Qualitätsstandards und soziale Verantwortung zusammengehören.
„Arbeit bedeutet weit mehr als Beschäftigung. Arbeit schafft Teilhabe, Selbstvertrauen und Sichtbarkeit. Sie gibt Menschen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einzubringen und als Teil unserer Gesellschaft wahrgenommen zu werden“, betonte Mehnert.
Dabei gehe es nicht darum, Menschen auf ihre Einschränkungen zu reduzieren, sondern Potenziale sichtbar zu machen und Entwicklung zu ermöglichen. Die Werte Respekt, Menschlichkeit und Wertschätzung seien deshalb nicht nur Teil des Leitbildes, sondern Grundlage des täglichen Handelns.
Einen Blick zurück auf die Anfänge warf der Technische Leiter Dirk Schaal. Er erinnerte an die Aufbaujahre und an den Mut der Verantwortlichen, neue Wege zu gehen. Gerade die Entscheidung, einen speziellen Standort für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung aufzubauen, sei damals alles andere als selbstverständlich gewesen.
Wie sich dieser Weg entwickelt hat, zeigten anschließend Betriebsstättenleiter Peter Cron und Marko Lanser, Leiter der Polytec Packaging auf. In ihren Beiträgen wurde deutlich, wie sich Weißenthurm in den vergangenen 25 Jahren zu einem modernen Standort entwickelt hat, an dem berufliche Förderung, persönliche Entwicklung und wirtschaftliche Anforderungen erfolgreich miteinander verbunden werden.
Dabei wurde immer wieder deutlich: Der Mensch steht im Mittelpunkt.
Arbeit wird hier nicht als Selbstzweck verstanden. Sie ist Mittel zur Teilhabe, zur persönlichen Entwicklung und zur Sichtbarkeit in der Gesellschaft. Inklusion wird in Weißenthurm nicht als theoretisches Konzept diskutiert, sondern tagtäglich gelebt.
Ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung ist Polytec Packaging. Das Inklusionsunternehmen feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen und gilt als frühes Beispiel dafür, wie Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam erfolgreich arbeiten können. Über drei Jahrzehnte hinweg hat sich Polytec als verlässlicher Partner für Industrie und Wirtschaft etabliert und gleichzeitig gezeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung keine Gegensätze sind.
Ein weiteres Jubiläum stand für viele Gäste zunächst weniger sichtbar im Mittelpunkt – und erwies sich doch als wesentliche Grundlage der Entwicklung: 30 Jahre Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001.
Gemeinsam mit Andreas Koriath, Auditor für TÜV SÜD, blickte Qualitätsmanagementbeauftragter Christoph Michels auf drei Jahrzehnte kontinuierlicher Zertifizierung zurück. Beide machten deutlich, dass modernes Qualitätsmanagement weit mehr sei als Dokumentation und Formulare.
„Qualitätsmanagement soll den Menschen dienen – nicht umgekehrt“, betonte Michels.
Es gehe darum, Abläufe verständlich zu gestalten, Verantwortung klar zu definieren und Mitarbeitende in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Gute Prozesse schafften Freiräume für die eigentliche Aufgabe: die Begleitung von Menschen.
Andreas Koriath würdigte die außergewöhnliche Kontinuität der RMW. Drei Jahrzehnte erfolgreicher Zertifizierung seien Ausdruck einer Organisation, die Qualitätsmanagement nicht als Pflicht, sondern als Haltung verstehe.
Mitglieder des Werkstattrates begleiteten die Veranstaltung ebenso wie zahlreiche Mitarbeitende und Beschäftigte. In Gesprächen und Begegnungen wurde deutlich, was die Jubiläen letztlich ausmacht: Hinter allen Zahlen, Zertifikaten und Erfolgen stehen Menschen, die den gemeinsamen Weg über Jahrzehnte geprägt haben.
Am Ende waren sich Gäste, Beschäftigte und Verantwortliche einig: Die Jubiläumsfeier war nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern vor allem Motivation für die Zukunft.


